Das Chiaroscuro Quartet setzt seine spannende Entdeckungsreise durch Beethovens Streichquartette fort und stellt drei Werke vor, welche die künstlerische Entwicklung des Komponisten innerhalb dieser Gattung eindrücklich nachzeichnen.
Die drei sogenannten Rasumowsky-Quartette (1806), die Graf Rasumowsky für sein von Ignaz Schuppanzigh geleitetes Ensemble in Auftrag gab, erweitern die Dimensionen der Gattung weit über die frühen Quartette op. 18 hinaus. In ihren fast schon sinfonischen Dimensionen ließen sie manche Zeitgenossen ratlos zurück. Die ersten beiden Quartette erschienen im vergangenen März auf CD (BIS-2688).
Das dritte und letzte Werk des Zyklus, das Streichquartett C-Dur op. 59 Nr. 3, mit dem die vorliegende Aufnahme beginnt, gilt als das zugänglichste der drei. Es hat eine von Mozart inspirierte Einleitung, ein slawisch gefärbtes Andante und ein brillantes Fugato-Finale voller Virtuosität.
Das Streichquartett f-moll op. 95 („Quartetto serioso“, 1810) entstand in einer Zeit persönlicher Krisen Beethovens und wirkt deutlich schroffer und radikaler. Die Musik ist verdichtet, voller abrupter harmonischer Wendungen und formal zersplittert. Umso überraschender erscheint die helle, beinahe heitere Coda in F-Dur, mit der das Werk schließt.
Den Abschluss bildet die Große Fuge op. 133 (1826), ursprünglich das Finale des Streichquartetts op. 130. Sie ist eine der kompromisslosesten Schöpfungen Beethovens: eine gewaltige, dissonanzenreiche Verbindung von Fuge und Variationsform, die von Igor Strawinsky als zeitloses und revolutionäres Meisterwerk gepriesen wurde.
Gemeinsam zeichnen diese drei Werke Beethovens Weg nach: vom dialogischen Klassizismus seiner mittleren Schaffensperiode hin zu jener visionären Tonsprache, die weit über seine Zeit hinausweist.